Das Projekt Doppelstrategie nimmt Gestalt an

Planungen für Regionalbahn und BRT-Busse werden immer konkreter

Die Stadt Ludwigsburg setzt auf schnelle Lösungen für den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Diese liegen in der Reaktivierung der Markgröninger Bahn sowie in der Einführung eines Schnellbussystems. Wichtige Entscheidungen dafür wurden jetzt getroffen.

„Noch nie waren wir in den vergangenen Jahrzehnten so nah dran, in einem Zeitraum von drei Jahren echte Verbesserungen beim ÖPNV hinzubekommen“, betont Oberbürgermeister Werner Spec. Gemeint ist damit erstens die Reaktivierung der Eisenbahnstrecke zwischen Markgröningen und Ludwigsburg mit einer Verlängerung bis Kornwestheim und dem neuen Halt bei Wüstenrot & Württembergische. Zweitens geht es um die Einführung eines BRT-Netzes zwischen Ludwigsburg, Remseck und Kornwestheim.

BRT steht für ein Schnellbussystem (englisch „Bus Rapid Transit“) – eine schienenlose und oberleitungsfreie Stadtbahn: komfortabler, umweltschonender und aufgrund von teilweise eigenen Busspuren schneller als herkömmliche Linienbusse. Damit hält Ludwigsburg an der Doppelstrategie, dem beschlossenen Verkehrskonzept für den Ausbau des ÖPNV in Ludwigsburg und Umgebung, fest.

Zeitnah, stadtverträglich und kostengünstig

„Mit unserer Doppelstrategie haben wir einen idealen Weg gefunden, den ÖPNV zeitnah, stadtverträglich und kostengünstig zwischen Markgröningen, Möglingen, Ludwigsburg, Kornwestheim und Remseck zu verbessern“, erklärt Spec. Die Planungen dafür werden immer konkreter.

In der vergangenen Woche hat der Ausschuss für Bauen, Technik und Umwelt dem Ludwigsburger Gemeinderat mit großer Mehrheit eine Empfehlung ausgesprochen, auf welchen Trassen die BRT-Busse das Ludwigsburger Stadtgebiet queren sollen. In der Weststadt wird nun eine Trassenvariante über Hoferstraße und Mörikestraße in Richtung Waldäcker vertiefend geprüft und geplant, außerdem eine weitere Variante über die Schwieberdinger Straße. Für die Oststadt wird eine Trasse über die Fuchshofstraße und den Oßweiler Süden favorisiert.

Auch für die Reaktivierung der Markgröninger Bahn schreiten die Planungen weiter voran. Dort sollen Fahrzeuge zum Einsatz kommen, die elektrobetrieben fahren, jedoch ohne Oberleitungen. Solche Fahrzeuge können den Strom mit der Brennstoffzellentechnik selbst produzieren – so wie das Modell Coradia iLint der Firma Alstom. Dieser Zug ist bereits erfolgreich in Deutschland auf Testfahrten unterwegs, in Niedersachsen soll er noch diesen Sommer in den regulären Fahrgastbetrieb gehen. Passenderweise gibt es für diese Züge in Kornwestheim auch eine Tankstelle für den benötigten Wasserstoff.

Bahnstrecke ist schnell reaktivierbar

„Die Bahnstrecke zwischen Ludwigsburg und Markgröningen hat einen entscheidenden Vorteil“, erklärt Werner Spec: „Der Personenverkehr ist dort zwar momentan stillgelegt, aber eisenbahnrechtlich ist die Strecke dafür noch gewidmet. Damit ist kein zeitaufwändiges Planfeststellungsverfahren erforderlich.“ Spec rechnet fest damit, dass Ende 2020 dort die ersten Züge fahren werden.

Die dritte Komponente der Doppelstrategie, die Einführung einer Stadtbahn, wird federführend vom Landratsamt geplant. Sie ist längerfristig auf die Zukunft hin ausgerichtet. Handlungsbedarf bestehe aber jetzt – das betonte der OB auch vergangenen Freitag vor Kommunalpolitikern bei einer Informationsveranstaltung im Kreishaus. „Klassische Stadtbahnsysteme erfordern mindestens zehn bis 15 Jahre für die Realisierung. Solche Wartezeiten, bis eine Verbesserung eintritt, können wir unserer Bevölkerung nicht zumuten.“

Bei der Infoveranstaltung brachte Landrat Rainer Haas für die Stadtbahn wieder die Hochflur-Variante mit Anschluss an die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) ins Spiel. Er benannte die entsprechenden Vorzüge, beispielsweise für die Kommunen Korntal-Münchingen und Ditzingen und bat die Anwesenden, in der Sommerpause darüber nachzudenken.

„Wir begrüßen es, wenn der Kreis sich an den Kosten für die noch erforderlichen Untersuchungen für ÖPNV-Verbesserungen in Ditzingen, Korntal und Schwieberdingen beteiligt und würden uns freuen, wenn sich in diesem wichtigen Landkreisgebiet ebenfalls Chancen ergeben“, meint dazu OB Werner Spec. In Ludwigsburg allerdings gebe es einen klaren Beschluss des Gemeinderats für eine Niederflur-Stadtbahn. Das in Stuttgart entwickelte Hochflursystem könne nur schwer mit der barocken Innenstadt von Ludwigsburg in Einklang gebracht werden.

Schnelles Handeln ist geboten

Stadtverwaltung und Gemeinderat sind sich außerdem einig, dass angesichts hoher Schadstoffbelastungen und drohender Fahrverbote rasch gehandelt werden muss. Diese schnellen Lösungen sind Bestandteil der Doppelstrategie und sollen spätestens bis Ende 2022 umgesetzt werden.

Die für den Personenverkehr stillgelegte Eisenbahnstrecke zwischen Ludwigsburg, Möglingen und Markgröningen wird reaktiviert und bis nach Kornwestheim verlängert. Außerdem ist ein neuer Halt bei der Konzernzentrale von Wüstenrot & Württembergische vorgesehen.

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