Interview: „Ein perfektes Angebot“

Baubürgermeister Michael Ilk über die Vorzüge der Doppelstrategie

Im Interview erklärt Baubürgermeister Michael Ilk, welche Ziele das neue Konzept für den öffentlichen Personennahverkehr verfolgt. Und erläutert, warum es Sinn macht, auf drei unterschiedliche Verkehrssysteme zu setzen.

Herr Ilk, was ist die Doppelstrategie?

Die Doppelstrategie beinhaltet verschiedene Verkehrssysteme: Zum einen sorgt die zügige Reaktivierung der stillgelegten Bahnstrecke zwischen Ludwigsburg und Markgröningen für eine deutliche Verbesserung der Verbindungen in den westlichen Landkreis. Zum anderen soll das neuartige BRT-Schnellbussystem, man könnte es auch schienenlose Stadtbahn nennen, rasch zu einer Optimierung des Komfort- und Platzangebotes innerhalb Ludwigsburgs und in Richtung Remseck und Kornwestheim führen. Für diesen ersten Teil der Doppelstrategie ist die Stadt Ludwigsburg federführend.

Der zweite Teil der Doppelstrategie umfasst die Einrichtung einer Niederflur-Stadtbahn zwischen Remseck und Markgröningen, mit einer Verästelung nach Oßweil und Schlösslesfeld. Hierfür ist das Landratsamt Ludwigsburg verantwortlich.

 

Und welche Ziele werden damit verfolgt?

Ludwigsburg hat unbestritten bereits heute eine sehr gute Qualität im Linienbusverkehr – um den 10-Minutentakt beispielweise werden wir von anderen Kommunen durchaus beneidet. Dennoch sind gerade im Berufsverkehr die Hauptverkehrsachsen stark belastet und die Luftschadstoffwerte derzeit noch so hoch, dass wir eine Fahrverbotsdiskussion in der Stadt haben.

Hier setzt die Doppelstrategie an: Das Ziel ist es, möglichst rasch für ein noch besseres und attraktiveres Angebot im öffentlichen Personennahverkehr zu sorgen. Damit – so erwarten wir es – werden wir eine Vielzahl von Menschen zum Umstieg bewegen können.

 

Warum setzen Sie dabei auf verschiedene Verkehrssysteme?

Bei der Wahl des Verkehrssystems steht folgende Frage an erster Stelle: Welches System macht an welcher Stelle Sinn? Die Reaktivierung der Strecke nach Markgröningen ist sinnvoll, weil die Gleise dort bereits liegen und das Recht zur Benutzung der Strecke noch besteht. Ein BRT-Schnellbussystem macht innerstädtisch Sinn, weil es rasch und in Teilabschnitten umzusetzen ist. Die Stadtbahn als längerfristig angelegte Komponente kann nach der erforderlichen Planfeststellung noch mehr Fahrgäste aufnehmen als dies heute möglich ist.

Der besondere Charme hierbei ist: Die drei Komponenten können wir unabhängig voneinander entwickeln und fördern lassen – und dabei gezielt auch die jeweilige Bedarfssituation berücksichtigen.

 

Besteht dabei nicht die Gefahr, dass sich die einzelnen Systeme später gegenseitig Konkurrenz machen?

Die einzelnen Systeme sehe ich nicht in Konkurrenz zueinander, die Angebote sollen sich vielmehr ergänzen: Alle drei Komponenten zusammen liefern ein perfektes Angebot für die Bürgerinnen und Bürger.

Bereits bei der Planung legen wir großen Wert darauf, flexibel zu bleiben. Beispielweise denken wir bei den BRT-Trassen schon einen möglichen späteren Stadtbahnbetrieb mit, so dass wir hier keine doppelten Gelder ausgeben.

 

Wie kann die Doppelstrategie mit dem Angebot für den öffentlichen Personennahverkehr in der Region verknüpft werden?

Die Doppelstrategie ist so aufgebaut, dass die vorhandenen Systeme in die Region ausgeweitet werden können. So ist eine Weiterführung der Regionalbahn nach Esslingen und Leonberg denkbar, das BRT-System kann über Remseck hinaus nach Waiblingen und Winnenden fortgeführt werden.

Für die Fahrgäste des öffentlichen Personennahverkehrs in der Region wäre das ein wirklicher Segen, wenn sie, ohne durch das Nadelöhr Stuttgart zu müssen – in dem selbst die S-Bahnen gelegentlich im Stau stehen – auf direktem Weg von Ludwigsburg wichtige Ziele in der Region erreichen können. Das muss unser Anspruch sein!

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